15.09.2011
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Strukturelle Datenquellen
Je besser Projektideen oder Projektangebote beurteilt werden können, desto exakter kann der Computer deren Realisierbarkeit berechnen. Problematisch ist der Umgang mit innovativen Projektideen, für die es meist keine oder nur in geringem Umfang Erfahrungswerte gibt. Hier sollte nicht der schlechteste Fall, also mit Höchstwerten, geplant werden. Vielmehr sollten der Projekt- und der Portfoliomanager versuchen, Wissen aufzubauen, um eine realistischer Einschätzung vorzunehmen. Eine andere Möglichkeit bieten Systeme, die ungenaue Planungsszenarien adäquat abbilden können. Hier kann beispielsweise geplant werden, dass ein Projekt im dritten Quartal anfangen soll. Die Dauer wird bei 12 bis 15 Monaten liegen. Die Software ermittelt daraus komplexe Wahrscheinlichkeitsmodelle und gleicht diese permanent mit dem tatsächlichen Verlauf ab. Das Ergebnis ist in diesen Fällen nicht, dass das Portfolio funktionieren oder eben nicht funktionieren kann. Vielmehr wird eine Eintrittswahrscheinlichkeit für das Portfolio ermittelt. Diese Vorgehensweise bildet die Realität am ehesten ab und liefert entsprechend die besten Ergebnisse.
Werden Entscheidungen über Projekte durch externe Faktoren und Personen getroffen, ist es äußerst schwierig, eine Zusammenstellung des wahrscheinlichsten Portfolios zu erstellen. Diese Situation tritt im Vertrieb relativ häufig auf, wenn ein Angebot angenommen oder angelehnt wird. Software-Lösungen, die für Projektportfolien einen Wahrscheinlichkeitswert erstellen, ob ein Projekt realisiert wird oder nicht, sind hier sehr hilfreich. Jedes potenzielle Projekt (Angebot) wird hier mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit versehen. Die Auswirkungen des Projekts auf Nutzen, Kosten und Ressourcenverbrauch werden in der Simulation dann auf Basis dieser Eintrittswahrscheinlichkeit berechnet. In der Verbindung des Managements des Projektportfolios mit der Vertriebssteuerung lassen sich auch solche Portfolien steuern.
Die kaufmännischen Daten stammen häufig aus externen Systemen, die in moderne Projektmanagementlösungen eingebunden werden können. Selbiges gilt für die Zeiterfassung: Die Daten werden meist extern erfasst und fließen dann in das Projektportfoliomanagement-System ein. Gerade der Portfoliobereich profitiert zwar von einer hohen Datenintegrität des Projektmanagementsystems, aber dort ist der Nutzen an sich wesentlich höher. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass der Verbund mit anderen Systemen hilfreich ist, um Doppelterfassung und/oder redundante Datenhaltung zu vermeiden. Allerdings sind solche Anbindungen nicht um jeden Preis zu realisieren.
Dies alles kann ein modernes Portfoliomanagement-System leisten. Interessant wird es, wenn eine Idee zu einem konkreten Projektantrag entwickelt wird und im Portfolio die Realisierbarkeit sowie der Nutzen des Projekts geprüft werden. In diesem Stadium kann auch eine gute Idee abgelehnt oder zeitlich verschoben werden. Manche Unternehmen wollen mit prozessorientierten Ideenmanagementsystemen die Innovationsfähigkeit steigern. Mit komplexen Bewertungs- und Meinungssystemen werden die Innovationen begutachtet und beurteilt, sie legen einen langen Weg zurück, bevor sie überhaupt in das Portfoliosystem aufgenommen werden. Bedingt durch die Vielzahl von an dem Prozess beteiligten Personen, die unterschiedliche Interessen verfolgen, werden die Ideen teilweise so verändert, dass sie kaum wiedererkennbar sind.
Unternehmen, die durch die Einführung eines Portfoliomanagement-Systems mit integriertem Ideenmanagement die Innovationskraft steigern wollen, werden meist enttäuscht. Denn Innovationen lassen sich grundsätzlich nicht in Verwaltungsprogrammen erzeugen.
Einer der größten Risikofaktoren in Projekten ist immer Unwissen. Auch wenn manche Projektplanungssysteme den Eindruck erwecken, dass jeder Projektschritt exakt planbar ist, so ist allen Projektmitarbeitern klar, dass fast kein Projekt genau so verläuft, wie es ursprünglich angelegt wurde. Trotzdem wird nach solchen überholten Projektplänen gearbeitet. Dies liegt weniger an den Projektverantwortlichen als vielmehr an der Unfähigkeit der Planungssoftware, ungenaue Informationen adäquat abzubilden. Wird der Projektaufwand bspw. zwischen 500 und 800 Personentage geschätzt, kann davon ausgegangen werden, dass in dem Projekt noch ein hohes Maß an Unwissen vorherrscht. Den maximal höchsten Aufwand nun planerisch anzunehmen, ist genauso wenig zielführend, wie mit dem geringsten Wert zu kalkulieren. Schließlich können alle Fälle zwischen 500 und 800 Personentage eintreten. Entweder der Projekt- bzw. Portfoliomanager plant mit einer dieser Größen, oder das Programm rechnet alle Varianten in Relation zu allen anderen Ideen und laufenden Projekten durch und gibt den wahrscheinlichsten Fall an. Alternativ könnte auch der Portfoliomanager das Projekt manuell mit einigen Werten (500 – 600 – 700- 800) selbst durchrechnen und sich mit dieser aufwendigen Methode der zu erwartenden Realität zu nähern. Eine weitere Möglichkeit ist, den Ideengebern ein überschaubares Projekt freizugeben, in welchem sie ihr Wissen über das Projekt so vertiefen können, dass sie dann eine bessere, genauere Schätzung des Aufwandes abgeben können. Gegen Unwissen hilft vor allem der Aufbau von Wissen, das sollte Teil der Unternehmenskultur sein.
Inakkurate Betrachtung
Der Vorteil und die Realitätsnähe inakkurater Betrachtungen wurden immer wieder betont. Angesichts der Tatsache, dass zukünftige Entwicklungen nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden können, liegt der Vorteil solcher Methoden auf der Hand. In manchen Industriebetrieben jedoch wird dieser Umstand nicht akzeptiert. Dort wird ein erheblicher Aufwand betrieben, ein Projekt bereits im Ideenstadium so durchzudenken, bzw. durchzuplanen, dass später nichts mehr schief gehen kann. Je genauer und detaillierter die Planung, desto besser und sicherer der Projektverlauf, lautet dort das Credo. In einer komplexen, von Innovationsdruck getriebenen Wirtschaftswelt ist dieser Ansatz nicht mehr zeitgemäß. Der Aufwand für die Planung muss in einer gesunden Relation zum möglichen Nutzen stehen. Die Mitarbeiter, die teilweise monatelang damit beschäftigt sind, eine solche Idee auszuarbeiten, können keine anderen Projekte verfolgen. Wenn Portfoliomanagement-Software dann die als Projekt angelegte Idee als nicht realisierbar ausweist, war die gesamte Investition und Mühe umsonst. Ideen müssen selbstverständlich weiterhin präzisiert werden, bevor eine Realisierung ernsthaft in Erwägung gezogen werden kann. Allerdings muss der Aufwand dabei überschaubar bleiben. Dies kann auch anhand einer Risikobetrachtung ausgedrückt werden: Projektideen sollten im Rahmen der Projektportfolio-Planung eine ausgewogene Balance zwischen Chancen (dem Projektnutzen) und Risiken haben.
Agile Ressourcenplanung
In der Vergangenheit bezog sich Kapazitätsplanung schwerpunktmäßig auf die Disposition von Maschinen. Die zu planenden Routinearbeiten wiederholten sich hundert- und tausendfach. Es machte Sinn, diese immer weiter zu optimieren. Außerdem mussten den Maschinen Materialien zugeführt werden. Daher war es auch notwendig, den Verbrauch exakt zu prognostizieren. Diese Modelle wurden häufig in Projektmanagement-Systemen mit Ressourcenplanungsfunktionen übernommen. Analog dazu erschien es generell als möglich und sinnvoll, einen Mitarbeiter stundengenau über einen sehr langen Zeitraum zu verplanen. Diese Modelle haben in der Praxis jedoch oftmals versagt, weil die Arbeitsergebnisse von Menschen nicht exakt vorhersehbar sind. Des Weiteren sind Menschen wesentlich flexibler und erledigen eine Vielzahl von unterschiedlichen Aufgaben. Schließlich sind Menschen in der Lage, ihre Arbeit selbst zu organisieren. Ein Mikromanagement – wie bei Maschinen – wird automatisch durch die Maschine Mensch durchgeführt.
Portfolio-Leitstand
Ein Projektportfolio ist also eine übersichtliche Zusammenfassung der laufenden Projekte und der angedachten Projektideen, unter Berücksichtigung der Kapazitätsauslastung und der terminlichen Strukturen. Da die aktuell laufenden Projekte in der Kapazitätsplanung voll berücksichtigt werden, kann die Portfoliomanagement-Software entsprechende Machbarkeitsprognosen für die Projektideen ermitteln. Das neue Projekt kann folglich so terminiert und gestaltet werden, dass es trotzt der laufenden Projekte realisiert werden kann. Problematisch ist lediglich die Tatsache, dass natürlich alle laufenden und künftigen Projekte dynamisch in ihrer Entwicklung sind und sich daher verändern können.
Laufende Projekte sind durch Rückmeldungen der geleisteten Arbeitszeiten der Mitarbeiter und Planänderungen ständig in Bewegung. Um eine wirkliche Entscheidungsgrundlage zur Verfügung zu haben, müssen die Projektideen in diesem dynamischen Umfeld analysiert und gegebenenfalls angepasst werden. Die Software muss also alle vorhandenen Daten erfassen, verdichten und als Rahmenbedingung für die neuen Projekte bereithalten. Dies muss so schnell wie möglich erfolgen, sofort nachdem die Informationen in das System übertragen wurden, idealerweise in Echtzeit.
Portfoliomanagement ist ein permanenter Prozess, der immer die aktuelle Situation des Unternehmens beachten muss. Dass die Geschäftsleitung bereits am Anfang eines Jahres die sukzessive Umsetzung einer bestimmten Zahl von Projekten beschließt und unwiderruflich an diesem Vorhaben festhält, erweist sich vor diesem Hintergrund als utopisch. Über Projekte müssen im Einzelfall entschieden werden, was zwar mehr Arbeit für die Entscheider impliziert, ihnen aber auch mehr Zeit und somit eine bessere Grundlage für ihre Entscheidungen gibt.