Buchbesprechung: Handbuch Project Management Office

PMO – Projektpolizei oder Projekthelfer?

Das „Handbuch Project Management Office“, erschienen in der Buchreihe „Die neue Führungskunst – The New Art of Leadership“, ist kein Handbuch im klassischen Sinne. Vielmehr beleuchten die Autoren das in Projektmanagementkreisen derzeit wohl meist diskutierte Thema aus verschiedenen Perspektiven. Dadurch geben sie einen sehr guten Überblick über die verschiedenen Dimensionen der Institution PMO. Projektwirtschaft, die einen immer größeren Stellenwert in der Wertschöpfung einnimmt, bildet dabei den Rahmen des Buchs, die Frage, wie diese Entwicklung die Struktur und die Kultur von Unternehmen prägen wird und wie die Firmen und Organisationen darauf frühzeitig reagieren können, den roten Faden. 35 Fachautoren beschreiben verschiedene Ausprägungen von PMO, mit welchen Methoden sie arbeiten, welche Auswirkungen PMO auf Projektkosten haben, welchen Beitrag sie für die strategische Unternehmensführung leisten und wie sie als fester Bestandteil in ein Unternehmen oder eine Organisation etabliert werden können.

 

PMO – Institutionalisierung von Projektmanagement
In seiner Begrüßungsrede zur Buchvernissage (siehe Video), die im Rahmen des PMO Symposiums 2010 im September stattfand, verdeutlicht Mitherausgeber Bop Sandrino-Arndt, dass es ganz unterschiedliche Erwartungshaltungen an PMO gibt. Aus Sicht der Herausgeber sei die Hauptaufgabe eines PMO, durch eine projektorientierte Arbeitsweise ein Unternehmen bzw. eine Organisation effektiver und effizienter zu gestalten. Ein Ziel von PMO sei demnach die dauerhafte Institutionalisierung von Projektmanagement in Unternehmen, indem sie strategische, operative und organisatorische Elemente miteinander verbinden.

 

Buchvernissage: Rede von Bop Sandrino-Arndt

Zukunftsorientierte Unternehmensführung mit PMO
Im ersten Abschnitt beschreibt das „PMO-Handbuch“ in drei Artikeln, welche strukturellen und kulturellen Auswirkungen projektorientiertes Arbeiten mit sich bringt. Dies betrifft nicht nur den operativen Bereich von Unternehmen, sondern zunehmend auch den strategischen Sektor. Mitherausgeber Lutz Becker spricht in diesem Zusammenhang von einer strategischen Triade, die die Organisation eines modernen Unternehmens prägen sollte. Peter Wollmann und Frank Kühn („PMO-Leadership“) führen in diesem Zusammenhang das PMO in seiner strategischen Bedeutung als Aktivposten in einem organisatorischen Veränderungsprozess ein.

Organisation, Methoden und Strategien
Projektarbeit stellt hohe Ansprüche an Unternehmen und Mitarbeiter. Das Project Management Office übernimmt die Aufgabe, die richtigen Strukturen für projektorientiertes Arbeiten zu etablieren. Guido Bacharach unterstreicht in seinem Aufsatz „Effizientes PMO durch integrierte Portfolioplanung“ die strategische Bedeutung des eng an die Kernthemen des Unternehmens angelehnten PMO und des Multiprojektmanagements. Angela Werner analysiert in ihrem Beitrag „Strategien entwickeln und umsetzen mit Projektmanagement“, wie eine Unternehmensstrategie effektiv und effizient umgesetzt werden kann.

 

Kosten reduzieren – Unternehmenswert steigern
Wer Projektmanagement als Führungsinstrument versteht, kann mit Hilfe eines PMO die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens fördern. Je ausgeprägter die Projektkultur in einem Unternehmen ist, desto eher kann ein PMO strategische Aufgaben übernehmen und so wesentlich zur Wertsteigerung beitragen (Steffen Scheurer, „Unternehmensentwicklung und Wertsteigerung durch PMOs“). Martin Kütz präsentiert in seinem Artikel „Effizienz steigern mit PMO“ eine Roadmap für die Etablierung eines PMO als zentrale Schaltstelle, die alle Projektaktivitäten einer Organisation – von der Initiierung bis hin zur Evaluierung – steuert.

Forschung, Wissenschaft und Praxisberichte
Auf den kurzen aber sehr interessanten Abschnitt „PMO aus Sicht von Forschung und Wissenschaft“ folgt das umfangreichste Kapitel „Berichte aus der Praxis“. In sechs anschaulichen Beiträgen präsentieren die Autoren verschiedene Einsatzmöglichkeiten von PMO. Hier wird nicht nur das Vorgehen bei der Einführung beschrieben, sondern auch die entsprechenden Erfahrungen und Abweichungen von den Planungen, die sich im jeweiligen Projektverlauf ergeben haben. Hier wird u.a. die Entwicklung eines PMO „Vom Projektpolizisten zum Projektdienstleister“ (Jürgen Engelhardt) beschrieben, der IT-Planungsprozess bei einer Versicherung oder die Einsetzung eines PMO in einer öffentlichen Forschungseinrichtung. Alle Beiträge zeigen deutlich die Chancen und Möglichkeiten auf, die der konsequente Einsatz von PMO bietet und weisen gleichzeitig auf Gefahren und Stolperfallen hin, die bei der Etablierung einer externen Stabstelle entstehen können.

Disput: Wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben?
Im Disput der Herausgeber fragen sich diese, ob es sich bei PMOs um eine dauerhafte Einrichtung im Projektalltag von Unternehmen handelt, oder nur um eine weitere Sau, die gerade durchs Dorf getrieben wird. Eine Beschreibung des „Dorfs“ gibt Norbert Walter, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank, bereits im Geleitwort des Buchs: Er macht eine Entwicklung hin zu mehr Projektwirtschaft aus, in der Unternehmen ihre Konkurrenzfähigkeit über erfolgreiche Projektarbeit aufrechterhalten. Würden also Unternehmen mehr Geld verdienen, wenn sie ihr Projektmanagement durch den Einsatz von PMO professionalisieren würden? Dies kann durchaus als eine Leitfrage des „PMO-Handbuchs“ verstanden werden. Das Buch liefert darauf natürlich weder ein Patentrezept noch eine universelle Anleitung. Es versteht sich vielmehr als Impulsgeber für eine Offenheit zur Veränderung – zur strukturellen Veränderung und zur persönlichen Veränderung. Es möchte dem Leser neue Perspektiven aufzeigen und ihn so zur eigenen Standortbestimmung motivieren. PMO erweisen sich in diesem Zusammenhang als Institutionen, die neue Methoden zur Verfügung stellen und helfen, diese dauerhaft umzusetzen.

Handbuch Project Management Office. Mit PMO zum strategischen Management der Projektlandschaft, hrsg. von Bop Sandrino-Arndt, Rüdiger L. Thomas und Lutz Becker, Düsseldorf 2010 (Symposion Publishing, ISIN 978-3-939707-65-3).

Buchvernissage PMO-Handbuch

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