Projektmanagement-Interview mit Prof. Dr. Ayelt Komus

Prof Dr. Ayelt KomusProf. Dr. Ayelt Komus (www.komus.de) lehrt an der Fachhochschule Koblenz (www.fh-koblenz.de) im Fachbereich Betriebswirtschaft und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Themen Projektmanagement und Business Process Management. Die unternehmensspezifische Gestaltung von Projektmanagement-Methodiken mit Trainings und Werkzeugen zählt genauso zu seinem Erfahrungsschatz wie die Verantwortung und Planung diverser IT-bezogener und IT-neutraler Großprojekte. Prof. Komus gehört zu den ersten, die Social Media-Ansätze zu einem festen Bestandteil eines modernen Projektmanagements machten.

 

Can Do: Sie sind Professor für Wirtschaftsinformatik und Organisation an der FH-Koblenz, einer Ihrer Schwerpunkte ist der Bereich Projektmanagement. Wie viel Projektmanagement ist im Unternehmensalltag bereits angekommen und wie bereiten Sie Ihre Studenten darauf vor?

Prof. Dr. Ayelt Komus: Unternehmen verstehen Projektmanagement zunehmend als Kernkompetenz. In einem globalen Wettbewerb, in dem sich die wesentlichen Parameter laufend verändern, ist die Fähigkeit zum Wandel der einzige Faktor, der dauerhaft zu Vorteilen führt; dabei ist Projektmanagement von entscheidender Bedeutung. Unternehmen haben dies erkannt.

Die Fähigkeit, Wandel zu managen, Projekte erfolgreich zu gestalten und neue Technologien sinnvoll in das Geschäft zu integrieren, werden von den Unternehmen zunehmend als wichtiger eingeschätzt als Wissen in einem bestimmten Fachgebiet, das in wenigen Jahren ohnehin obsolet sein kann.

Im Fachbereich Betriebswirtschaft an der FH Koblenz haben wir die Chance der Umstellung auf Bachelor und Master genutzt. Jeder Student wird im Bachelor-Studium umfassend im Projektmanagement geschult und – das ist der entscheidende Punkt – macht praktische Erfahrungen. Unsere Curriculum sieht ein mehrwöchiges Projekt sowohl im Bachelor als auch im Master vor. Zunächst hatten wir Sorgen, wie dies umgesetzt werden sollte. Wo sollten die Themen herkommen? Inzwischen hat sich gezeigt, dass von allen Seiten ein reges Interesse an derartigen Projekten besteht. Viele Unternehmen nutzen die Chance, wichtige Fragestellungen konzentriert und mit viel Kreativität und Engagement bearbeiten zu lassen. Die Studierenden machen äußerst wertvolle Praxiserfahrungen, erwerben viel praxisrelevantes Projektmanagement-Know-how und haben viel Spaß. Es ist toll zu sehen, wie die Studierenden die Chance des Wissenserwerbs außerhalb des Hörsaals nutzen.

 

Can Do: Ein entscheidendes Moment bei der Einführung von Projektmanagementstrukturen ist die Etablierung einer entsprechenden Arbeitskultur. Welche Herausforderungen kommen auf Unternehmen zu, die zunehmend projektorientiert arbeiten?
Prof. Dr. Ayelt Komus: Wandel ist die Konstante – so abgedroschen das inzwischen auch klingen mag. Das muss in die Werte, in die Köpfe, in die Strukturen, in die Prozesse, in die IT-Tools etc. Prinzipiell bestimmt dabei das schwächste Glied die Belastbarkeit des gesamten Systems. Nur die mitarbeiterbezogenen Kompetenzen sind in der Lage, flexibel zu agieren und so Defizite zu kompensieren. Daher ist es umso wichtiger, das Augenmerk darauf zu legen und gezielt Projektmanagement-Kultur und -Kompetenzen auf- und auszubauen.

Can Do: Wie kann dies gelingen?
Prof. Dr. Ayelt Komus: Zunächst einmal ist die Vermittlung von Wissen die Basis. Was ich nicht kenne oder nicht verstehe, kann ich auch nicht unterstützen und befürworten. Training ist also sehr wichtig. Aber das ist nur ein Baustein. Wichtig ist auch eine bspw. durch die Führungskräfte vorgelebte Kultur des Wandels und der Projekte.

Projektaufgaben dürfen keinesfalls zu einer Benachteiligung auf der Karriereleiter führen. Mut und die Bereitschaft, Neuland zu erkunden, müssen anerkannt werden. Projekte bedürfen der Aufmerksamkeit und der Unterstützung der Führung. Ziele und Anreizmechanismen müssen dementsprechend gestaltet werden. Es muss die Bereitschaft bestehen, in Methoden, Werkzeuge und Ausbildung im Projektmanagement nachhaltig zu investieren.

 

Can Do: Welche Bedeutung haben so genannte Social Media-Anwendungen für das klassische Projektmanagement?
Prof. Dr. Ayelt Komus: Vielleicht, dass es nicht mehr so „klassisch“ ist? (lacht)
Im Ernst: Wir sind keine Maschinen. Unsere Form der Informationsverarbeitung ist grundlegend anders. Motivation, Emotion, Apathie und Sympathie sind bei uns wichtige Faktoren und spielen wesentlich in unsere Kommunikation und Informationsverarbeitung hinein. Wer glaubt, er könne das durch Methodiken, Strukturen und Formulare herausmanagen, ist ein Narr.

Und da kommt das „Social“ von Social Media, wie Web 2.0 heutzutage sinnvollerweise bezeichnet wird, ins Spiel: Schwache Signale, Motivation, Vernetzung, Erfolge in kleinen Schritten anstelle von bzw. neben den großen Planungen, die dann oftmals doch nicht passen, Identifikation von Expertise und Früherkennung – das sind alles wichtige Stärken, die mit der intelligenten Nutzung von Social Media im Projektmanagement einhergehen – und das funktioniert oft viel schneller, als es mit klassischen Instrumenten des Projektmanagements möglich ist. So entsteht eine sinnvolle Ergänzung.

Can Do: Es gibt viele Werkzeuge, auf die ein Projektmanager zurückgreifen kann. Welche Eigenschaften muss ein Projektmanagement-Tool aufweisen, um eine wirkliche Hilfe zu sein?
Prof. Dr. Ayelt Komus: Inzwischen sehen wir auch bei vielen Werkzeugen des Projektmanagements eine funktionale Spezialisierung für die verschiedensten Anforderungen. Was dann in der Praxis leider oft auch wieder zu Integrationsaufwänden, Mehrfacherfassungen etc. führt – bspw. bei der Ablaufplanung, der Außendarstellung für das Management, dem Controlling etc. Wenn ich mich also für die Kombination verschiedener Werkzeuge entscheide, sind die jeweiligen Funktionalitäten und die Integrationsfähigkeit wichtige Eigenschaften.

Zunehmend werden aber auch andere Eigenschaften als wichtig erkannt. Wie einfach und intuitiv ist die Software zu bedienen? Ist es angenehm, damit zu arbeiten? Macht es vielleicht sogar Spaß? Sind die Ergebnisse und Darstellungen intuitiv zu verstehen? Das geht zum Teil auch in die Richtung der eben angesprochenen „Social Software“.

Natürlich kommt auch dem Faktor Geschwindigkeit bei immer engeren Zeitbudgets eine größere Bedeutung zu. Und dann gibt es noch die klassischen Kriterien der IT-Systemauswahl wie Total-Cost-of-Ownership, Hardwareerfordernisse und so weiter.
Natürlich bleibt aber letztlich immer der Kontext entscheidend: Nur aus dem Zusammenhang der Unternehmens- bzw. Projektsituation heraus kann abschließend beurteilt werden, welche Eigenschaften wie wichtig sind.

Can Do: Die inhaltliche Verantwortung der ersten Deutschen Meisterschaft im Projektmanagement liegt in Ihren Händen. Was war der Reiz, die inhaltliche Betreuung des Wettbewerbs zu übernehmen?
Prof. Dr. Ayelt Komus: Der Gedanke der Projektmanagement-Meisterschaft hat mich sofort begeistert. Viele Faktoren harmonieren sehr schön mit der von mir vertretenen Projektmanagement-Philosophie.

Die Meisterschaft trägt dazu bei, das Wissen zum Projektmanagement zu verbreitern. Sie hat einen spielerischen Aspekt, packt die Beteiligten beim Ehrgeiz, gut zu sein, und nutzt die Lust am Wettbewerb. Der Wettbewerb ist ein weiterer Beitrag, einer sinnvollen Projektkultur den Boden zu bereiten. Also ein gute Sache, die zugleich Spaß macht.

Herr Prof Dr. Komus, wir danken ihnen für das interessante Gespräch

 

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