01.06.2011
Manager rechtfertigen manchen Entscheidungsstau damit, dass Entscheidungen in komplexen Verhältnissen nun einmal schwierig sind – und deshalb Zeit brauchen. Sie suchen Informationen und Argumente, sie erörtern und wägen ab. Fachleute werden gehört, Ausschüsse diskutieren, Vorlagen machen die Runde. Doch machen diese Prozesse, die Projekten wie ein Mühlstein umhängen, die Ergebnisse besser?
Mehr noch: Das Bauchgefühl ist der Kopfentscheidung überlegen – besonders dann, wenn Experten auf ihrem Fachgebiet intuitiv entscheiden. Gigerenzer: „Wir haben in unterschiedlichen Experimenten nachgewiesen, dass Experten in Situationen mit wenig Vorhersagbarkeit die besten Entscheidungen schnell und aus dem Bauch heraus treffen.“ Vor allem dann, wenn sie nur wenige Informationen gegeneinander abwägen können. Doch der Berliner Wissenschaftler weiß auch: „Es braucht Mut, in bestimmten Situationen einen Schlussstrich zu ziehen und zu bestimmen, dass der Bauchentscheidung gefolgt wird.“
Eben da liegt der Hase im Pfeffer! Entscheidungen brauchen Mut. Wer der Geschichte des Worts „Entscheidung“ folgt, wird die historische Wurzel des Begriffs in jener Zeit finden, als die (wenigen) freien Männer ein Schwert tragen durften. Entscheiden heißt nämlich so viel wie „das Schwert aus der Scheide ziehen“. Mit dieser Geste signalisierte der Schwertträger: Ich weiß, was ich zu tun habe. Der Schwertträger zog sein Schwert nicht ohne Weiteres. Er musste einen deutlichen Anlass haben. Doch „entschied“ er sich, so stand ihm ein klares Ziel vor Augen – und die, die ihm beim „Entscheiden“ zusahen, waren deutlich im Bilde über dieses Ziel.
Professor Gerd Gigerenzer spricht von einem Dreieck aus Verstand, Intuition und Mut. In diesem Dreieck sollten sich Manager bewusst bewegen. Projektmanager, so mein Eindruck, halten sich noch zu sehr im Winkel von Verstand auf. Intuition und vor allem mehr Mut würden helfen
Über Dr. Roland Ottmann
Roland Ottmann ist Gründer der Ottmann & Partner GmbH Management Consulting (www.ottmann.de) und gilt als ausgewiesener Experte für Projektmanagement. Er studierte Maschinenbau sowie Betriebswirtschaftslehre (MBA) und promovierte zum Dr. Phil. an der Ecole Supérieure de Commerce – Lille et Paris. Seit 1985 sammelte er praktische Erfahrung im Projektmanagement als Projekt- und Programmleiter, Berater, Trainer (u.a. für das 4 Level Qualifizierungskonzept der IPMA International Project Management Association) und Coach für Projekt- und Programmmanager. 1996 initiierte er den Deutschen Projektmanagement Award und 1998 den International Project Management Award.