13.05.2011
Gastbeitrag von Dr. Roland Ottmann
Mit seinem Boykott hat der Verbraucher der Politik, den Mineralölkonzernen und der Automobilwirtschaft einen dicken Rotstrich durch die Projektrechnung gemacht. Heute verweigern sich sechzig Prozent der deutschen „Benzintanker“ strikt dem E10, wie eine in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung veröffentlichte Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ergeben hat. Offenbar hat das Stakeholdermanagement nicht funktioniert, die im Projektmanagement unabdingbare Kooperation mit Gruppen, deren Interessen von dem Projekt berührt werden.
Stakeholdermanagement-Regel Nummer 1: Der Projektmanager muss das Stakeholdermanagement früh starten – noch bevor die Ziele seines Vorhabens festgeschrieben sind. Anderenfalls kann er die Wünsche und Anforderungen bei seinen Plänen nicht richtig berücksichtigen.
Regel Nummer 3: Der Projektmanager geht auf die Stakeholdern zu, sucht von sich aus den Dialog, informiert sie über das Vorhaben und erfragt deren Erwartungen. Diese Erwartungen werden nach Möglichkeit bei den Projektzielen berücksichtigt.
Regel Nummer 4: Während der gesamten Projektlaufzeit hält der Projektmanager seine Stakeholder auf dem Laufenden. Sie demonstriert ihnen, wie ihre Interessen im Projekt berücksichtigt werden. Lassen sich einzelne Anforderungen nicht integrieren, wird dies sachlich begründet.
Zurück zum E10. Eine simple Umfrage hätte bereits früh Befürchtungen und Sorgen der Autofahrer gezeigt. „In der frühen Phase haben Projektträger die Chance, Gehör zu finden“, erklärte Professor Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim, jüngst in einem Interview mit der Fachzeitschrift Projektmanagement aktuell, „sie können Sorgen entkräften, Gerüchten die Nahrung entziehen und Vertrauen aufbauen.“ Stattdessen flossen Informationen zum Biosprit spärlich, und diese waren obendrein widersprüchlich.
Fünf Monate nach der Einführung des Ökosprits ist das Kind in den Brunnen gefallen. Es dürfte es schwierig werden, deutschen Fahrern den Biosprit schmackhaft zu machen. Die Diskussion hat viel Staub aufgewirbelt. Heute gilt der Biosprit sogar als unethisch. „Für eine einzige Tankfüllung Bio-Ethanol geht etwa so viel Korn drauf, wie ein Erwachsener in einem ganzen Jahr essen kann“, rechnete das Magazin Der Spiegel im April nach. Die Wochenzeitung Die Zeit wird deutlicher: „Biosprit galt einmal als die Lösung in Amerika – bis die Mexikaner zu wenig Mais zum Essen hatten.“ Damit dürfte die Akzeptanz des Biosprits nachhaltig beschädigt sein.
Roland Ottmann ist Gründer der Ottmann & Partner GmbH Management Consulting (www.ottmann.de) und gilt als ausgewiesener Experte für Projektmanagement. Er studierte Maschinenbau sowie Betriebswirtschaftslehre (MBA) und promovierte zum Dr. Phil. an der Ecole Supérieure de Commerce – Lille et Paris. Seit 1985 sammelte er praktische Erfahrung im Projektmanagement als Projekt- und Programmleiter, Berater, Trainer (u.a. für das 4 Level Qualifizierungskonzept der IPMA International Project Management Association) und Coach für Projekt- und Programmmanager. 1996 initiierte er den Deutschen Projektmanagement Award und 1998 den International Project Management Award.